Fantasy Filmfest: JCVD. Bevor die Freunde des Autorenkinos bei Jean-Claude Van Damme gleich abschalten: Das ist kein Martial Arts Film, kein Actionfilm, sondern ein Kabinettstück erster Güte.
Jean-Claude Van Damme spielt sich selbst, einen leicht abgehalfterten Filmstar, der mehr B-Movies gedreht hat, als er eigentlich wollte. Drogenproblem hatte er wohl auch mal, der Vormundschaftsprozess um die Tochter zehrt an seinen Nerven, er will endlich mal einen vernüftigen Film machen, pleite ist er obendrein.
Und plötzlich findet er sich inmitten eines Geiseldramas, und blöderweise meint die Polizei auch noch, er sei der Geiselnehmer. Und der Tag hatte ohenhin schon scheiße angefangen, weil die Taxifahrerin ihn als eingebildeten Fatzke beschimpfte und sein Scheidungsanwalt endlich die Kohle sehen will.
Die zum Teil absurde, humorvolle Story, gemeinsam mit dem cleveren Spiel zwischen Film und Realität, Handlung und Metaebene, bietet wirklich große Filmmomente, und auch wenn es keiner gedacht hätte: Van Damme ist ein Charakterdarsteller, Hut ab. Nicht den Helden gibt er, der die Situation, wie immer, in Manier des gängigen Actionmovies löst, sondern überzeugend den Antihelden, der doch eigentlich nur übermüdet ist, seine Ruhe haben will, und überlegt, warum ist alles so schief gegangen.
Schon allein wegen dieser einzigen, wirklich fantastischen Szene, in der Van Damme—magisch aus dem Set herausgehoben—einen kurzen Monolog über sich, das Leben als Actionstar und die Unbilden von Showbusiness und Drogensucht hält, muss man sich den Film eigentlich anschauen. Hat mich von Qualität und Wucht an den Monolog von Charlton Heston in Kenneth Branaghs Hamlet erinnert, bei dem es mich damals auch gefroren hat. Irre. Wer hätte das von einem “Schauspieler” gedacht, zu dessen denkwürdigeren Filmen Universal Soldier zählt? [9/10]
